Federers Wert ist unbezahlbar

Libor Voncina will Sunrise zur ersten Wahl auf dem Schweizer Mobilmarkt machen: Der CEO über seinen neuen Markenbotschafter, das Sunrise-Programm zur Qualitätssteigerung – und die Entwicklungen im Mobilfunk.

Sunrise CEO Libor Voncina
Libor Voncina (CEO Sunrise) über seinen neuen Markenbotschafter

Herr Voncina, haben Sie schon gegen Roger Federer Tennis gespielt?

Libor Voncina:
Nein, aber ich habe mit ihm ausführlich über unsere Zusammenarbeit und unsere Gemeinsamkeiten diskutiert.

Um in der Sunrise-Marketingsprache zu fragen: Macht das Sinn, mit Roger Federer zusammenzuarbeiten?

Ich bin überzeugt, dass er der richtige Markenbotschafter für uns ist. Federers Bekanntheit und seine Popularität sind mit keiner anderen Schweizer Persönlichkeit vergleichbar. Ausserdem ist er jemand, der viel unterwegs ist und mit seinen Fans via Social Media in Kontakt steht. Das heisst, er ist ein intensiver Nutzer und schätzt die Möglichkeiten der modernen Telekommunikation. Deshalb macht sein Engagement für uns und für ihn wirklich Sinn.

Wie haben Sie es erreicht, Roger Federer für Sunrise als Werbepartner zu gewinnen?

Die Verhandlungen verliefen sehr professionell und in einer angenehmen Atmosphäre. Wir haben ihn überzeugt mit der Ausrichtung und den Werten unseres Unternehmens: Transparenz, Kundenorientierung und Fairness.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit mit Federer genau aus?

In der Kommunikation werden wir ihn in Kontakt mit den Sunrise-Produkten bringen und aufzeigen, welche neuen Möglichkeiten sie ihm bieten. Zum Beispiel haben wir Ende letzten Jahres Bilder von Sonnenaufgängen versteigert, die er selbst fotografiert hat. Der Gesamterlös der Versteigerung kam vollumfänglich der Roger Federer Foundation zugute.

Wie viel kostet Federer?

Die Werte, für die Roger Federer steht, sind nicht käuflich. Sein Wert ist unbezahlbar. Entscheidend ist der «Fit» zwischen Roger Federer und Sunrise.

Sie sind seit rund zwei Jahren Sunrise-CEO. Wie hat sich Sunrise seit Ihrem Antritt verändert?

Wir haben die drei Werte Fairness, Transparenz und Kundenorientierung als Grundlage unseres Handelns verankert. Wir glauben an das, was wir tun und sagen. Sunrise 2015 ist ein ganz anderes Unternehmen als Sunrise 2012.

Was ist Ihnen in den letzten zwei Jahren nicht gelungen?

Ein ungelöstes Problem bleibt die Marktöffnung. Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Regulierung des Zugangs zu Glasfaseranschlüssen. Seit Jahren besteht ein Interessenkonflikt des Bundes, der gleichzeitig Mehrheitseigentümer, Regulator und grosser Kunde des ehemaligen Monopolisten ist. Europaweit haben wir im Bereich Telekom die höchste Staatsquote. Beim Netzzugang sieht der Bundesrat zwar Handlungsbedarf, damit die Konsumenten auch auf den zukünftigen Glasfasernetzen von einer grossen Angebotsvielfalt und Wahlfreiheit profitieren können. Dennoch will er den Zugang zu den Glasfasernetzen vorerst nicht regulieren.

Wir haben die drei Werte Fairness, Transparenz und Kundenorientierung als Grundlage unseres Handelns.

von Libor Voncina

Wie soll nach Ihrer Vorstellung eine Regulierung aussehen?

Sunrise fordert eine rasche, verbindliche Regelung in einer ersten Etappe 2015. Der Wettbewerb wird erst mit dem Zugang zu den Anschlussnetzen ermöglicht. Und letztlich führt gerade dieser Wettbewerb zu innovativen und attraktiven Dienstleistungen zugunsten der Endkunden – wie die Vergangenheit zeigt.

Sie haben mit der Swisscom einen Vertrag geschlossen zum Glasfaserzugang. Das zeigt, dass es auch ohne Regulierung geht.

Swisscom konnte ihr Netz zum überwiegenden Teil auf den Vorleistungen aus dem Monopolzeitalter aufbauen. Der Zugang sollte daher auch den Wettbewerbern reguliert ermöglicht werden, falls der Markt versagt. Diese Regulierungsinstrumente müssen jetzt geschaffen werden – und nicht erst, wenn der Markt schon versagt hat. Man schafft die Feuerwehr auch nicht erst, wenn es bereits brennt.

In der Vergangenheit wurde der Kundendienst von Problemen durchgerüttelt. Nun scheint sich die Situation beruhigt zu haben. Was wurde verändert?

Seit 2013 haben wir gezielt in den Ausbau des Kundendienstes investiert. So haben wir unter anderem die Kapazitäten in den Callcentern erhöht. Wir nehmen die Anliegen und Bedürfnisse der Kunden ernst und wollen ihre Probleme rasch und effektiv lösen. Dazu gehört auch, dass alle Mitglieder des Managements regelmässig Kundenanrufe selber beantworten.

Wann waren Sie zum letzten Mal in der Hotline?

Mitte Dezember. Im Rahmen unseres Programms zur Qualitätssteigerung habe ich Kunden nach ihren Erfahrungen befragt, nachdem sie mit einem Callcenter oder mit einem Shop Kontakt hatten. Es ist mir wichtig, persönlich Feedback von unseren Kunden zu erhalten.

Der aktuelle Wert der Kennzahl zur Zuverlässigkeit im Sunrise-Kundenservice liegt bei 81 Prozent. Wie will Sunrise noch mehr herausholen?

Wir unterstützen die Kundendienstmitarbeitenden durch gezielte Trainings. Wichtige Kundenkontakte wollen wir direkt durch Sunrise selbst wahrnehmen. Deshalb werden wir zusätzlich rund 40 Kundendienststellen bei uns im Haus aufbauen.

Diese Regulierungsinstrumente müssen jetzt geschaffen werden. Man schafft die Feuerwehr auch nicht erst, wenn es bereits brennt.

von Libor Voncina

Unter Ihren Vorgängern war die Fluktuation im Kader aussergewöhnlich hoch. Kommt die Sunrise-Chefetage unter Ihnen endlich zur Ruhe?

Das Sunrise-Management ist seit über zwei Jahren stabil und besteht aus einem Team von kompetenten Spezialisten. Wir haben gemeinsam die Vision, Sunrise zur ersten Wahl auf dem Schweizer Mobilfunkmarkt zu machen.

2013 war Sunrise im Connect-Test Aufsteiger des Jahres. 2014 holte Sunrise im Bereich der mobilen Telefonie den 1.Platz. Was ist der Grund für das bessere Abschneiden von Sunrise?

Sunrise hat in den letzten drei Jahren über eine Milliarde Franken in den Ausbau der Netzwerkinfrastruktur investiert. Wir verfügen dank Abkommen mit Swisscom und Swiss Fibre Net über den vollen Zugang zu allen mit Glasfaser bedienten Haushalten in der Schweiz.

In der Bahn gibt es Verbesserungspotenzial. Wann kann man endlich im Zug störungsfrei telefonieren?

Unsere Verbindungsqualität im Zug ist bereits sehr gut. Hier sind wir gleichauf mit anderen Anbietern. Bis Ende 2020 werden wir zusammen mit der SBB die Zugwaggons des Regionalverkehrs mit Repeatern ausrüsten. So können wir das wachsende Datenvolumen bewältigen.

Wie sieht es aus mit der neusten Mobilfunktechnologie LTE Advanced?

Der Ausbau von LTE wird fortgesetzt und die Einführung von LTE Advanced vorbereitet. Wir wollen bereit sein, wenn die entsprechenden Geräte vorhanden sind. Das Datenvolumen verdoppelt sich jedes Jahr. Es ist unsere Aufgabe als Netzwerkbetreiber, diese Nachfrage zu befriedigen.

Konkret: Wann kommt das schnelle LTE-Netz?

Sunrise hat 2014 als erstes Unternehmen in der Schweiz LTE-A live demonstriert. Seit letztem Jahr wird LTE-A im Rahmen eines Pilotprojekts getestet. Sobald genügend entsprechende Endgeräte verfügbar sind, wird die neue Technologie das Mobilfunknetz von Sunrise ergänzen.

Wie sieht es mit der Mobilfunkabdeckung von Sunrise in ländlichen Gebieten aus?

Unser Netz ist auch in weniger stark besiedelten Gebieten top. Dies dank der 900-MHz-Frequenz. Die Tatsache, dass die Rhätische Bahn Business-Kundin von Sunrise ist, ist ein klarer Beleg dafür.

Sunrise hat 2013 auch die Prepaid-Anbieter Lebara und Ortel Mobile übernommen. Haben sich die Investitionen gelohnt?

Der Prepaid-Markt ist sehr dynamisch und interessant, mit einer grossen Bedeutung in der Schweiz. Die beiden Marken Lebara und Ortel decken die spezifischen Bedürfnisse jener Kunden ab, die regelmässig ins Ausland telefonieren. Zusammen mit dem Brand Yallo haben wir eine starke Position im Prepaid-Markt entwickelt. Die Unternehmen operieren autonom am Markt.

Werden die Roaming-Gebühren auch für Prepaid-Kunden fallen?

Die Roaming-Gebühren sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Beim Daten-Roaming liegen sie bereits heute auf EU-Niveau. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren weitergehen. Mit der Roaming-Option bezahlen Sunrise-Kunden für Gespräche im europäischen Ausland nur noch 30 Rappen.

Die meisten Menschen haben das Mobiltelefon immer dabei, das ist eine grosse Chance.

von Libor Voncina

Ihr neues Mobilfunkangebot Freedom verspricht maximale Flexibilität im Handy-Gebrauch. Wie sind die neuen Abos bei den Kunden angekommen?

Sehr gut, denn es gibt keine versteckten Kosten mehr. Wir haben als erste Schweizer Anbieterin die Mindestvertragslaufzeiten abgeschafft. Zudem haben wir das Abo vom Gerät entkoppelt.

Kommunikations-Apps wie WhatsApp, Viber oder Threema als Alternative zum Mobilfunk werden immer beliebter. Ist die Entwicklung solcher Apps auch für Sunrise ein Thema?

Nein, wir fokussieren uns auf attraktive Angebote in unserer Kerntätigkeit. Für alles andere gehen wir Partnerschaften ein.

Netflix, Cablecom und neuerdings auch die Swisscom setzen auf Flatrateangebote für Content. Hat Sunrise die Film- und Serien-Flatrate verschlafen?

Nein. Sunrise hatte als erste Anbieterin in der Schweiz ein Flatrate-Angebot lanciert: Kids TV bietet kindergerechte Unterhaltung für pauschal 6 Franken pro Monat.

Und für Erwachsene?

Wir prüfen, ob und wie wir das Angebot in Zukunft ausbauen und für weitere Zielgruppen erweitern werden.

Bei Ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren sagten Sie: «Ich freue mich, das Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase begleiten zu dürfen.» Worin bestand diese Phase?

Unser Ziel war und ist es, Sunrise zur ersten Wahl auf dem Schweizer Telekommunikationsmarkt zu machen. Auf diesem Weg sind wir schon einen grossen Schritt vorangekommen mit Investitionen ins Netzwerk, in neue Produkte, in die Marke Sunrise und in die Kundenbetreuung. Wir haben die «neue» Sunrise zu einem grossartigen Unternehmen entwickelt.

Wie sieht die nächste Sunrise-Phase aus?

Wir sind noch lange nicht am Ziel. Deshalb werden wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Wir richten unsere Angebote noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden aus.