Ausgezeichnet: Knetmännchen mit Kulleraugen

Die Figuren eines Wallisers erobern die Herzen von Kritikern und Publikum weltweit. «Ma vie de Courgette» ist im April auf Teleclub Cinema zu sehen.

Intensiver Kulleraugen-Charme entfaltet sich zum Soundtrack von Sophie Hunger.
Intensiver Kulleraugen-Charme entfaltet sich zum Soundtrack von Sophie Hunger.

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der blauhaarige Junge Courgette ins Waisenhaus, wo er nach anfänglichen Schwierigkeiten ein neues Zuhause findet. Mit dieser Geschichte hat der Walliser Regisseur Claude Barras 2016 weltweit einen Überraschungscoup gelandet.

Mit Humor und Herz erzählt er eine dramatische, oft sogar düstere Geschichte. Die NZZ bezeichnet «Ma vie de Courgette» als «Juwel, das zugleich abgrundtief traurig und ungeheuer witzig ist». Und cineman.ch meint: «Im Grunde ist der Film ein Drama für Zuschauer jeden Alters, doch die Machart ist so gewählt, dass auch junge Zuschauer angesprochen werden.»

Die grossen Kulleraugen der kleinen Filmhelden haben auch die Oscar-Jury verzaubert: «Ma vie de Courgette» war 2017 als «Bester Animationsfilm» für den begehrten Filmpreis nominiert. Den hat er zwar nicht gewonnen, dafür aber unzählige andere Preise und die Herzen des Publikums. «Ein Waisenhaus fährt in die Winterferien und alle heulen vor Rührung», fasst watson.ch zusammen.

Mit viel Liebe, noch mehr Geduld und den besten Stop-Motion-Filmern der Welt hat Regisseur Claude Barras seine Knetfiguren-Welt von Hand animiert. Dazu wurden Courgette (auf deutsch: Zucchetti) und seine Freunde als 25 cm grosse Puppen hergestellt. Unter der Haut platzierten die Macher dann Magnete, damit Münder, Nasen oder Augen je nach Gesichtsausdruck schnell ausgewechselt werden konnten. Pro Drehtag produzierte man so auf 15 verschiedenen Puppenbühnen rund 30 Sekunden Film.

Regisseur Barras erklärt der Tageswoche: «Oftmals werden im Kino die Einstellungen zu schnell gewechselt, ich habe dagegen versucht, den Gefühlen ihren Raum und auch die nötige Stille zu geben.» Für genau diese Ruhe wird «Ma vie de Courgette» gelobt – als wohltuendes Gegenstück zu den schnell geschnittenen und lauten Hollywood-Trickfilmen. Die Aargauer Zeitung schreibt: «Barras grosses Verdienst ist es, dass er konsequent auf Augenhöhe der Kinder erzählt.»

Und was nimmt man als Zuschauer mit aus diesen 66 Minuten mit dem kleinen Courgette? Kritiker zitieren an dieser Stelle am liebsten den Film:

«Selbst an einem Ort, wo man hinkommt, wenn dich keiner mehr liebt, kann man Geborgenheit und Freunde fürs Leben finden.»

«Ma vie de Courgette» ist im April auf Teleclub Cinema zu sehen.