Project Ara: Das Handy zum selber bauen

Ist die Kamera Ihres Handys kaputt oder nicht mehr auf dem neuesten Stand, müssen Sie sich ein neues Handy kaufen. Bis jetzt. Denn ein Projekt von Google will das ändern.

Motorola Project Ara
Komponenten für ein modulares Smartphone von Google
Copyright: Motorola Inc.

Project Ara ist ein modulares Smartphone. Akku, Kamera und Lautsprecher sind nicht fest verbaut. Sämtliche Bestandteile des Handys können entfernt und ersetzt werden. Das eigentliche Handy besteht nur aus einem Grundgerüst, dem sogenannten Endoskelett.

Sie können also ein vollständiges Ara Handy kaufen, zusätzliche Module hinzufügen oder es von Grund auf selbst zusammenstellen. Die Module lassen sich einfach und sicher austauschen – auch während das Handy eingeschaltet ist.

Von der Idee zum funktionierenden Prototyp

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Phonebloks entwickelte sich von einer Idee zu einer Bewegung mit dem Ziel Elektroschrott zu reduzieren.

Ein Projektteam von Motorola, das damals noch zu Google gehörte, begann 2013 mit der Arbeit an Project Ara. Gleichzeitig startete der niederländische Designer Dave Hakkens Phonebloks. Als einfache Design-Idee gestartet, fand das Projekt ein gewaltiges Echo. Es entstand eine Bewegung, welche die Industrie für modulare Smartphones gewinnen will – mit dem Ziel Elektroschrott zu reduzieren. Hakkens und das Project Ara Team trafen sich. Fortan entwickelte sich eine lose Kollaboration.

Als Google Motorola 2014 an Lenovo verkaufte, handelte Google einen Deal aus um Project Ara behalten zu können. Ein Jahr später präsentierte Google an der eigenen Entwicklerkonferenz Google I/O einen funktionierenden Prototyp.

Weniger Elektroschrott. Mehr Wahlmöglichkeiten. Mehr Anbieter.

Die Vorteile eines modularen Smartphones sind zahlreich. Ist der Display kaputt, wechselt man ihn einfach aus. Ist die Kamera veraltet, ersetzt man sie durch eine neue. So muss man nicht das ganze Gerät auswechseln. Dies wird einerseits über längere Zeit günstiger für den Konsumenten, andererseits reduziert es Elektroschrott und somit die Umweltbelastung um ein Vielfaches.

Zudem kann jeder sein Smartphone nach seinen Bedürfnissen gestalten. Sie haben all Ihre Daten in der Cloud gespeichert? Dann nehmen Sie einen Speicherblock heraus, und stecken einen zusätzlichen Akku hinein. Auch optisch können Sie Ihr Telefon selbst gestalten. Die einzelnen Module können Sie dank einer speziellen Technik mit individuellen Bildern versehen.

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Ein erster Werbespot demonstriert die Funktionen des Ara Smartphones.

Auch für Hardware-Entwickler bietet Project Ara weitreichende Möglichkeiten. Google selbst soll nur das Grundgerüst und einige Basismodule liefern. Der Grossteil der Komponenten soll von Drittanbietern hergestellt werden. Technologiekonzerne wie Toshiba, aber auch kleine Startups sollen ihre Module in einem von Google betriebenen Onlinestore anbieten können – analog dem Google Play Store für Apps.

Die Module wären dann in der Produktion kleiner und günstiger als ein ganzes Gerät. Paul Eremenko, vormals Projektleiter, träumt davon, die Eintrittsbarrieren so derart weit zu senken, dass es zukünftig nicht mehr eine Handvoll, sondern hunderttausende von Hardware-Herstellern geben wird.

Eigentlich hätte das Ara Handy Ende dieses Jahres im Pilotmarkt Puerto Rico verkauft werden sollen. Der Start wurde aber aus nicht genannten Gründen verschoben. Doch selbst wenn das Handy erst in ein oder zwei Jahren erscheint: es hat das Potential die Mobilfunkindustrie zu revolutionieren.

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