«Es gab nie ein böses Wort von uns, wenn Roger ein Spiel verlor»

Normalerweise bleibt Robert Federer lieber im Hintergrund, aber für Sunrise macht er eine Ausnahme. Schliesslich geht es in diesem Gespräch um ein Herzensprojekt der Familie Federer: die Schweizer Sporthilfe, die sie mit der Roger Federer Foundation grosszügig unterstützt. Auch Sunrise spendet regelmässig an die Foundation ihres Markenbotschafters, und dieser Betrag fliesst vollumfänglich in die Schweizer Sporthilfe.

Robert Federer
«Es macht mich stolz, wenn ein Talent es bis ganz nach oben schafft» – Robert Federer

Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs hat sein Sohn Roger gerade in Melbourne den wohl überraschendsten und grössten Sieg seiner Karriere errungen. Hätte Robert Federer das geahnt, dann wäre er mit nach Australien gereist. Aber kaum jemand hätte für möglich gehalten, dass der Weg von Roger Federer tatsächlich bis zum Pokal führt. Deshalb weilt Robert Federer an diesem Montag Ende Januar nicht im australischen Sommer, sondern in der kalten Schweiz. «Aber meine Frau und ich schauen uns natürlich jeden Match im Fernsehen an», erzählt der sympathische Rheintaler.

Sunrise: Robert Federer, mit der Stiftung Ihres Sohnes Roger unterstützen Sie im Patenschaftsprogramm der Schweizer Sporthilfe 40 Nachwuchsathleten. Wählen Sie diese jungen Talente persönlich aus?
Robert Federer: Ja, wobei mir die Sporthilfe gemäss unseren Richtlinien Vorschläge unterbreitet. Für mich steht der soziale Aspekt an erster Stelle. Wir wollen talentierte Kinder aus finanzschwachen Familien unterstützen. Schauen Sie, wenn ein Vater 60 000 Franken im Jahr verdient und das Kind für seinen Sport jährlich 20 000 Franken braucht, dann geht das einfach nicht auf. Hier wollen wir helfen. «Unsere» Nachwuchsathleten betreiben die unterschiedlichsten Sportarten, keinesfalls nur Tennis, und leben überall in der Schweiz.

Kennen Sie und Roger diese Talente persönlich?
Die meisten von ihnen. Wenn möglich laden wir sie einmal im Jahr zu einem Treffen ein. Diese Zusammenzüge sind wichtig. Natürlich fehlen immer ein paar Talente, weil sie irgendwo auf der Welt an einem Wettkampf sind. Ich interessiere mich auch für den Werdegang der Athleten. Wir haben zum Beispiel ein Mädchen unterstützt, das später Weltmeisterin im Sportklettern wurde. Es macht mich stolz, wenn ein Talent es bis ganz nach oben schafft.

Wenn Sie zurückblicken: Hätte Ihr Sohn seinen Weg an die Weltspitze gehen können, wenn Sie alles allein hätten finanzieren müssen?
Ohne Hilfe wäre das sicher viel schwieriger gewesen. In seinen Jugendjahren haben wir selbst rund 30 000 Franken pro Jahr ausgegeben. Viel Geld, wenn man ein durchschnittliches Einkommen zur Verfügung hat. Wir wurden glücklicherweise von Swiss Tennis, der Schweizer Sporthilfe, dem TC Old Boys und von zwei privaten Sponsoren finanziell unterstützt.

Sie haben Rogers Weg viele Jahre lang finanziert, aber auch enorm viel Zeit für ihn aufgewendet. Waren Sie sich immer sicher, dass Sie das Richtige tun?
Ja, ich war aber gleichzeitig auch immer sehr ehrlich zu ihm. Wir haben gemeinsam in Etappen geplant. Als er 14 Jahre alt war, entschied er sich, allein nach Ecublens zu gehen, um dort im Nationalen Tennis Center zu trainieren. Wir haben ihn dabei unterstützt, damit er weiter an seinem Talent arbeiten konnte. Nach zwei Jahren gehörte Roger zu den Besten in Europa, war immer noch sehr motiviert und auf dem Weg nach oben. Wir gaben ihm noch weitere zwei Jahre Zeit, und Roger zog dann mit Swiss Tennis ins neue Leistungszentrum nach Biel. Wir standen auch bei diesem Schritt voll und ganz hinter ihm. Als er dann mit 17 Jahren Junioren-Weltmeister wurde, haben sich alle weiteren Diskussionen auf einen Schlag erübrigt.

Wie würden Sie Ihre Rolle als Eltern in der damaligen Zeit beschreiben?
Wir gehörten nie zu den Eltern, die dauernd am Zaun gestanden sind, um ihr Kind beim Training zu beobachten. Wir haben den Trainern und Roger vertraut. Natürlich mussten wir in seinen Jugendjahren manchmal korrigierend einschreiten. Aber es gab nie ein böses Wort von uns, wenn Roger ein Spiel verloren hatte.

Gibt es einen Rat, den Sie Eltern von jungen Sporttalenten geben können?
Ja, Eltern sind da, um ihre Kinder vollumfänglich zu unterstützen. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, für ein junges Sporttalent die besten Voraussetzungen zu schaffen. Sie sollten sich im Hintergrund bewegen und wenn nötig eingreifen. Uns war es immer sehr wichtig, dass sich unsere Kinder selbst entfalten konnten, dass sie selbstständig und motiviert waren.

Einen Botschafter wie Roger kann sich eine Marke nur wünschen. Seit gut drei Jahren ist Roger Federer auch Markenbotschafter von Sunrise. Wie wählt er seine Partner aus?
Am allerwichtigsten ist Roger, dass er sich mit der Marke und dem Unternehmen identifizieren kann. Bei der Zusammenarbeit mit Sunrise freut es uns, dass Sunrise auch seine Stiftung tatkräftig unterstützt. Diese Spende fliesst vollumfänglich in das Patenschaftsprogramm mit der Schweizer Sporthilfe.