Rendezvous mit einem Kometen

Kathrin Altwegg ist mit der Raumsonde Rosetta in bisher unbekannte Welten vorgedrungen. Am Alpensymposium 2018 hielt sie einen Vortrag darüber, wie ihr das Sunrise Netz dabei half.

Kathrin Altwegg am Alpensymposium 2018 – Sunrise ist Presenting Partner des Events.
Kathrin Altwegg am Alpensymposium 2018 – Sunrise war Presenting Partner des Events.

«Geduld ist das Wichtigste in meinem Job», sagt Kathrin Altwegg. Die sympathische Bernerin war bis vor Kurzem Professorin für Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern. Während der gut zweijährigen Mission der Weltraumsonde Rosetta war sie mit ihrem Team für die wissenschaftlichen Messungen des Instruments ROSINA verantwortlich.

Das Aussergewöhnliche an dieser Aufgabe: Ihre Arbeitsutensilien schwebten 500 Millionen Kilometer entfernt im Universum. «Schnelle Kommandos liegen auf diese Distanz nicht drin», erklärt Kathrin Altwegg. «Das Signal hoch zu Rosetta hat 45 Minuten gebraucht und retour ging’s auch nicht schneller. Wir mussten also immer mindestens 90 Minuten warten, bis wir wussten, ob unsere Kommandos richtig ausgeführt wurden».

Für die heute 66-Jährige war diese äusserst komplexe Mission das Projekt ihres Lebens. Denn Rosetta sollte im Umfeld des Kometen Tschuri wichtige Fragen zu unserer Entstehungsgeschichte klären. So suchte man beispielsweise nach Materialien, die deckungsgleich sind mit solchen auf der Erde.

«Man spürt tagtäglich, dass man Teil von etwas ist, das Geschichte schreibt», erzählt Kathrin Altwegg. «Man misst Dinge, die noch kein Mensch gemessen hat und die älter sind als das Sonnensystem.»

Man misst Dinge, die älter sind als das Sonnensystem.

- Kathrin Alwegg

Anspannung, Vorfreude und Nervosität waren ständige Begleiter während der gut zwei Jahre, in denen die Sonde im Umfeld des Kometen Tschuri Daten sammelte. «Umso wichtiger waren für mich die raren Wochenenden, die ich in unserem Ferienhaus in Trogen (AR) verbringen konnte», erinnert sich Kathrin Altwegg.

Doch selbst in der Abgeschiedenheit musste die Professorin permanent erreichbar sein, um bei Problemen eingreifen zu können. «In dieser abgelegenen Gegend funktioniert einzig und allein das Sunrise Netz. Zum Glück! Denn das hat mir grosse Freiheit geschenkt.» So konnte Kathrin Altwegg mit dem Laptop vom Steintisch in ihrem Garten aus mit dem Weltall kommunizieren.

Rosetta und der Komet Tschuri (3D-Visualisierung).

Die Kommandos machten ihren Umweg übers Rosetta-Hauptquartier in Darmstadt, dann ging’s weiter nach Australien und von dort aus die verbleibenden 500 Millionen Kilometer hoch zu Rosetta. «Es ist fantastisch, wie gut diese Kommunikation ist. Vorausgesetzt, es gewittert nicht gerade in Australien», lacht Kathrin Altwegg.

Die Weltraumsonde mit all ihren Instrumenten an Bord wurde 2016 mit einem geplanten Absturz auf dem Kometen Tschuri verabschiedet. Bis heute sind erst fünf Prozent der rund zwei Millionen Messungen von ROSINA ausgewertet worden. Es gibt noch mindestens zehn, vielleicht sogar zwanzig Jahre zu tun. Aber nicht mehr für Kathrin Altwegg: Sie geniesst seit dem Ende der Mission ihre Pensionierung – und ihr Häuschen im Appenzell.