Steve Jobs‘ Nachfolger auf der Bühne

Die Keynotes des früheren Apple-CEO Steve Jobs gelten als Musterbeispiel gelungener PR-Präsentationen. Doch auch seine Nachfolger halten ihre Vorträge mit Perfektion. Die Keynotes sind mehr als Produkte-Shows: Sie sind beste Unterhaltung für Apple-Fans, ein Lehrstück für Redner und eine Informationsveranstaltung für Gadget-Interessierte. Die aktuelle Keynote-Show startet am 7. September um 19 Uhr.

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Die Bühne ist frei für die Apple-Präsentation... (Copyright: Mike Deerkowski)

Steve Jobs galt als begnadeter Redner, der seine Zuhörer auch bei eigentlich unspektakulären Produktpräsentationen in seinen Bann ziehen konnte. Mehr noch: Seine Auftritte waren kultige Unterhaltungs-Shows, bei denen nicht nur die Produkte im Vordergrund standen, sondern vor allem Steve Jobs selbst.

Auch heute noch präsentieren Jobs' Nachfolger die Apple-Produkte mit viel Enthusiasmus und Witz, verwenden eine einfache Sprache ohne Fachchinesisch, dafür mit vielen Superlativen. An den Apple-Keynotes werden nicht nur Produkte, sondern Sehnsüchte verkauft, heisst es. Aktuell kommen vor allem vier Personen von Apple beim Publikum gut an: der neue CEO Tim Cook, der oberste Software-Entwickler Craig Federighi, die Marketingchefin für Apple Music und iTunes, Bozoma Saint John, sowie der oberste Marketing-Chef Phil Schiller.

Der Witzige: Craig Federighi

Der Chef-Entwickler ist zwar bei Apple verantwortlich für die Betriebssysteme iOS und OS X, ist aber alles andere als ein langweiliger Software-Nerd. Er zelebriert seine Präsentationen mit Humor und Charisma und mauserte sich in den letzten Jahren zum Liebling des Publikums. Dies zeigt sich bei Analysen, wonach Federighi am meisten Lacher pro Stunde generiert: Das Online-Magazin Quartz hat sich die Mühe genommen, 27 Keynotes seit 2007 zu untersuchen, um herauszufinden, welcher Apple-Speaker am lustigsten ist. Resultat: Federighi sorgte für 32 Lacher pro Stunde, während seine Kollegen Tim Cook und Phil Schiller in der gleichen Zeit nur auf jeweils 17 kommen. Craig Federighi ist sehr ausdauernd und steht schon mal 75 Minuten auf der Bühne, um auf unterhaltsame Art die neusten Einzelheiten des Apple-Betriebssystems zu erläutern.

Der Smarte: Tim Cook

Weniger mitreissend als Jobs, dafür sehr präzise, glaubwürdig und smart ist Apples CEO Tim Cook. Er steht nicht so stark im Mittelpunkt wie sein Vorgänger, was sich schon an der relativ kurzen Gesamtdauer zeigt, während der er auf der Bühne steht: Während Jobs bis zu 90 Minuten redete, zeigt sich Cook manchmal weniger als 20 Minuten und lässt stattdessen seine Apple-Experten präsentieren.

Die Quirlige: Bozoma Saint John

Sie wird als «heimlicher Apple-Star» und als «coolste Frau der Tech-Branche» bezeichnet und hatte ihren ersten grossen Auftritt im letzten Juni an der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC in Juni in San Francisco. Bozoma Saint John hatte die Aufgabe, neue Funktionen von Apple Music vorzustellen, und versuchte, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Die Zuschauer blieben musikalisch zwar verhalten, waren aber begeistert von der quirligen Afroamerikanerin und spendierten ihr einen tosenden Applaus, als sie tanzend von der Bühne ging. Bozoma ist nicht nur ein deutlicher Kontrast zu Tim Cook und Phil Schiller, sie stiehlt auch allen andern Apple-Rednern die Show.

Der Unterschätzte: Phil Schiller

Das Apple-Urgestein Phil Schiller präsentiert neue Apple-Produkte routiniert und bringt auch die kleinsten Details anschaulich rüber. Zwar stand er lange im Schatten seines ehemaligen Chefs Steve Jobs und wurde zwar als seine «rechte Hand», aber als eher spröde bezeichnet. Doch er kann bei Präsentationen durchaus witzig und dennoch glaubwürdig sein. Und er ist mächtig: Wiederholt gelangte Phil Schiller an die Spitze der «Forbes»-Liste der weltweit einflussreichsten Marketingchefs. Schliesslich ist er mit dafür verantwortlich, dass Apple seit vielen Jahren als eines der beliebtesten Unternehmen gilt.